Geschichte

Der Wiener Städtische Versicherungsverein ist Hauptaktionär der Vienna Insurance Group (VIG), der führenden Versicherungsgruppe in Österreich sowie Zentral- und Osteuropa. In dieser Funktion befasst sich der Wiener Städtische Versicherungsverein mit strategischen Grundsatzfragen des Konzerns. Eine seiner Hauptaufgaben ist es, die Erhaltung und Sicherung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der börsennotierten Konzernholding zu gewährleisten.

Als Hauptaktionär der VIG, die in 25 Ländern Europas mit mehr als 50 Versicherungsgesellschaften vertreten ist, übernimmt der Wiener Städtische Versicherungsverein auch weit über geschäftliche Belange hinaus Verantwortung: gegenüber rund 25.000 MitarbeiterInnen und gegenüber der Gesellschaft.

Diese Verantwortung nimmt er durch gezielte Förderungen und Unterstützung im sozialen, künstlerischen und kulturellen Bereich wahr. Sein Engagement führt ihn weit über die Landesgrenzen hinaus: vor allem in jene Länder Zentral- und Osteuropas, in denen die Vienna Insurance Group tätig ist.

Geschichte

Die bald 200-jährige Historie des Wiener Städtischen Versicherungsvereins ist geprägt von wirtschaftlich und gesellschaftlich turbulenten Zeiten. Zugleich ist sie faszinierend, besonders ihre Gründungsgeschichte: Georg Ritter von Högelmüller, ein Offizier der kaiserlichen Armee, hatte bereits 1803 die Idee zur Gründung des Vereins. Realisiert wurde diese aber erst mehr als 20 Jahre später, am 24. Dezember 1824 – das offizielle Gründungsdatum des Wiener Städtischen Versicherungsvereins. Warum das Genehmigungs-verfahren für den heutigen Hauptaktionär der führenden Versicherungsgruppe in Zentral- und Osteuropa Anfang des 19. Jahrhunderts mehr als 20 Jahre dauerte, lässt sich mit dem demokratischen Prinzip beantworten, welches in den damaligen mitgründenden Stiften vorherrschte. Kurz: Die Gründung des Vereins galt zu Metternichs Zeiten schlichtweg als „aufmüpfig“.

Georg Ritter von Högelmüller, Gründer der „Wechselseitigen k.k. priv. Brandschaden-Versicherungs-Anstalt“, ein Vorläufer des heutigen Wiener Städtischen Versicherungsvereins. © ÖNB-Bildarchiv/picturedesk.com
1824

Gründung der „Wechselseitigen k.k. priv. Brandschaden-Versicherungs-Anstalt“ durch Georg Ritter von Högelmüller, an der 364 Persönlichkeiten – darunter Fürsten, Grafen, Barone und Industrielle sowie kirchliche Institutionen wie Klöster und Stifte, unter anderem die Stifte Klosterneuburg, Göttweig und Melk – beteiligt sind.

1839

Auf Betreiben des Mathematikprofessors Josef Salomon nimmt die erste Lebensversicherung in Österreich – die „Allgemeine wechselseitige Capitalien- und Renten-Versicherungs-Anstalt“ – in Wien ihren Betrieb auf. 1865 wird diese Gesellschaft in „Janus wechselseitige Lebensversicherungs-Anstalt“ umbenannt.

1898

Unter Bürgermeister Dr. Karl Lueger beschließt der Wiener Gemeinderat am 11. Februar 1898, anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. die „Städtische Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Lebens- und Renten-Versicherungs-Anstalt“ zu errichten. Mit Gründung dieser Lebensversicherung wird der jeweilige Wiener Bürgermeister per Gesetz zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Wiener Städtischen – die aus den 1824, 1839 und 1898 gegründeten Vorläuferinstituten hervorgeht – gewählt. 2001 wird diese Organverbindung zwischen der Wiener Städtischen und der Stadt Wien auf Initiative des Wiener Bürgermeisters Dr. Helmut Zilk beendet.

1919

Nach dem Zerfall der Donaumonarchie wird die „Städtische Kaiser Franz Joseph-Jubiläums-Lebens- und Renten-Versicherungs-Anstalt“ in „Gemeinde Wien-Städtische Versicherungsanstalt“ umbenannt.

1938–1945

Im Jahr 1938 Fusionierung der „Gemeinde Wien-Städtischen Versicherungsanstalt“ mit der „Wechselseitigen Brandschaden und Janus allgemeinen Versicherungs-Anstalt auf Gegenseitigkeit“. Während des Zweiten Weltkriegs werden kirchliche Vorsorgevereine von den Nationalsozialisten aufgelöst. Trotz menschlicher und wirtschaftlicher Verluste, die auch der Wiener Städtische Versicherungsverein während des Zweiten Weltkriegs hinnehmen muss, intensiviert diese dunkle Epoche die guten Beziehungen des Vereins mit der katholischen Kirche. Der Forderung der Nationalsozialisten, die Krankenversicherung des österreichischen Klerus einzustellen, kommt der Wiener Städtische Versicherungsverein nicht nach.

1945

Nach Kriegsende beginnt eine kleine Gruppe von 40 bis 50 Angestellten mit dem Wiederaufbau des völlig zerstörten Unternehmens. Im Rahmen der ersten Sitzung der Mitgliedervertretung im Dezember 1947 wird der Firmenwortlaut in „Wiener Städtische Wechselseitige Versicherungsanstalt“ geändert.

1955

Am 14. Juni 1955, knapp einen Monat nach Unterzeichnung des Staatsvertrags, wird der Ringturm, der heutige Konzernsitz, feierlich eröffnet. Der Ringturm ist das erste Bürohochhaus Wiens und ein Symbol für Modernität sowie für den Wiederaufbau und wirtschaftlichen Aufschwung Österreichs.

1971

In diesem Jahr übernimmt das Unternehmen die Aktienmehrheit an der Donau Allgemeinen Versicherungs-Aktiengesellschaft. Damit wird der Grundstein für den Konzern Vienna Insurance Group und für die seither konsequent verfolgte Mehrmarkenstrategie gelegt.

1992

Mitte des Jahres 1992 wird der gesamte Versicherungsbetrieb ausgegliedert und in die Wiener Städtische Allgemeine Versicherung Aktiengesellschaft eingebracht. Die „Wechselseitige“ besteht als „Wiener Städtische Wechselseitige Versicherungsanstalt – Vermögensverwaltung“ weiter und erfüllt die Aufgaben einer Finanzholding. Knapp zwei Jahre zuvor erfolgte der Einstieg in den Versicherungsmarkt der damaligen Tschechoslowakei – durch Beteiligung an der Neugründung der Kooperativa.

1994

Das Unternehmen wagt im Oktober 1994 den Sprung an die Wiener Börse. Es gibt keine Stamm-, sondern nur Vorzugsaktien, der Streubesitz liegt bei
11 Prozent.

2004

2004 – das Jahr der Börsenoffensive: Der damalige Generaldirektor der Wiener Städtischen Allgemeinen Versicherung AG und jetzige Vorstandsvorsitzende des Wiener Städtischen Versicherungsvereins, Dr. Günter Geyer, startet eine große Kapitalerhöhung. Das Unternehmen öffnet sich dem internationalen Kapitalmarkt, um die notwendigen Mittel für das weitere Wachstum zu sichern. Die Vorzugsaktien werden – zur Vorbereitung auf die Kapitalerhöhung – in Stammaktien umgewandelt. Die Aktie wird gesplittet und rückt im September 2005 in den ATX, den Leitindex der Wiener Börse, auf.

2006

Nach Einführung der Dachmarke „Vienna Insurance Group“ übernimmt das Unternehmen 2008 die
s Versicherung, die Versicherungssparte der Erste Group Bank AG. Im Zuge der Übernahme wird eine langjährige Vertriebsvereinbarung – und damit eine bis heute bestehende und gelebte Partnerschaft mit der Erste Group Bank AG – geschlossen.

2010

Mit 3. August 2010 erfolgt die Abspaltung des operativen Versicherungsgeschäftes in Österreich von der internationalen Tätigkeit des Konzerns. Der Wiener Städtische Versicherungsverein wird 2010 in „Wiener Städtische Wechselseitiger Versicherungsverein – Vermögensverwaltung – Vienna Insurance Group“ umbenannt und hält aktuell ca. 70 Prozent der Aktien der Vienna Insurance Group AG Wiener Versicherung Gruppe (VIG).